Lothar "Schnäuz" Zimmer

Zwar hat er schon mit circa sechs Jahren erstmals auf Schlittschuhen gestanden, aber Eishockey hat er nie gespielt. Dennoch ist er seit mehr als einem halben Jahrhundert diesem Sport eng verbunden und hat 32 Jahre lang hauptamtlich für die Kölner Haie gearbeitet und in dieser Zeit nicht ein einziges Spiel verpasst. Die Rede ist von Lothar „Schnäuz“ Zimmer, der von 1979 – 2011 als Materialwart und Mannschaftsbetreuer für den Kölner Eishockey-Club arbeitete.

 

Geboren wurde Lothar Zimmer am 12. August 1946 in Trier; erst im Alter von 11-12 Jahren kam er nach Köln. Klassenkameraden nahmen ihn mit zum Eishockey: „Da musst du hin, die kloppen sich!“ An sein erstes Spiel kann er sich noch erinnern: „1958 ging es in der Oberliga gegen Eintracht Frankfurt.“ Zum Stammgast an der Lentstraße wurde er seinerzeit noch nicht. Er kümmerte sich um seine Ausbildung als Kupferschmied und arbeitete dann im Brückenstahlbau, als Karosseriebauer und als Blechschlosser. Daneben galt sein Interesse mehr dem Boxen und vor allem dem Kraftsport.

 

Er nahm selbst erfolgreich an Wettbewerben teil. Vor allem aber legte er sich eine Büchersammlung über Kraftsport zu, die ihres gleichen sucht und auf die er besonders stolz ist. 1968 intensivierte Lothar Zimmer wieder seine Besuche bei den Heimspielen des Kölner EK und wurde in den Folgejahren zum Stammgast. Er lernte Spieler kennen und die baten ihn 1979, als Materialwart einzuspringen. Den Job erledigte er zunächst ehrenamtlich, aber so gut, dass der damalige Präsident Heinz Landen ihn im Laufe der Saison 79/80 fest engagierte. Aus seiner ersten Saison ist ihm ein Ereignis besonders im Gedächtnis geblieben. Als der NHL-Star Bobby Orr seinen für die Haie spielenden Freund Mike Walton besuchte, durfte der Schnäuz ihn durch Köln kutschieren – in einem Jaguar.

 

Lothar Zimmer könnte über die folgenden drei Jahrzehnte unendlich viel erzählen, und er tut dies auch sehr gern. Nie aber plaudert er irgendwelche Interna über Spieler, oder Ereignisse in der Kabine und bei Auswärtsfahrten aus. Das ist für ihn tabu, und auch deshalb war er immer bei seinen Arbeitskollegen, den Spielern, Trainern und Medizinern geschätzt und beliebt. Übrigens nicht nur bei den Kölnern Kollegen. Weil er bei einem Europapokalturnier auch die Schlittschuhe der Spieler von CSKA Moskau schliff, lud ihn Kapitän Sergey Makarow ein, beim Bankett am Tisch der seinerzeit weltbesten Mannschaft zu sitzen: zwischen Makarow und Trainer Viktor Tichonov.

Ein paar Zahlen mögen verdeutlichen, was es heißt, 32 Jahre lang Mitglied eines Eishockeyteams zu sein:

 

  • 20 Cheftrainer arbeiteten in dieser Zeit für den KEC.
  • Rund 350 Spieler trugen das Haie-Trikot,
  • Die Haie absolvierten in dieser Zeit 1767 Bundesliga- bzw. DEL-Spiele, darüber hinaus zahlreiche Vorbereitungsspiele, Pokal- und Europapokalspiele, und Turnierspiele; alles in allem mehr als 2200 Spiele
  • Mehr als 1 Million Kilometer hat Zimmer mit dem Team im Auto, Bus, Zug und Flieger zurückgelegt.
    Wie oft mag er wohl die Bandentür aus- und weder zugemacht haben? Gehen wir von 100mal pro Spiel aus, kämen wir auf die gigantische Zahl von 220.000.
    

Ab der Saison 2011/12 wird man das vertraute Gesicht mit dem Schnäuzer an der Bande der Haie vermissen, mit 65 Jahren geht in den wohlverdienten Ruhestand. Aber natürlich wird der „Schnäuz“ bei allen Spielen in der Arena sein, denn ohne Eishockey kann er sich sein Leben gar nicht vorstellen. Schließlich ist Eishockey für ihn „Rock ‘n Roll for ever“.

 

Die Traditionsmannschaft der Kölner Haie ehrte am 03.12.2011 Lothar Zimmer für seine besonderen Verdienste mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.



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